Installation geflüchtete

Installation „Geflüchtete“

 

Die zu Papier gefalteten Boote unten zeigen das wesentliche Transportmittel zur Flucht, während die hängenden Papiertüten mit Wünschen, Träumen, Hoffnungen etc. von Individuen beschriftetet sind.
Die Geflüchteten sind Individuen, Einzelschicksale – auch wenn sie als Familie alles hinter sich lassen mussten. Fast immer ist es Flucht vor dem Krieg im eigenen Land, ist es Hoffnung auf ein Leben in Frieden und auf ein besseres Leben. Sie haben unter schlimmen Bedingungen die Heimat verlassen und viel Geld für Schlepperbanden bezahlt, um in einem unsicheren Boot das Meer zu überqueren.

 

Von Peter Ustinov stammt der Ausspruch: „Terrorismus ist der Krieg der Armen und der Krieg ist der Terrorismus der Reichen. Beide sind gleichermaßen unmoralisch“. Wir vergessen nur allzu gerne, dass wir seit 2001 ununterbrochen Krieg führen. Laut Schätzungen der ippnw (IPPNW - Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges / Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.)  hat der sogenannte „Krieg gegen den Terror“ mehr als eine Million Opfer gekostet … und die wenigsten davon waren Zivilisten in den westlichen kriegsführenden Ländern.

 

Vielleicht spielt sich in Syrien heute die größte humanitäre Katastrophe unserer Zeit ab, nicht weil die EU wegschaute, sondern weil sie eingriff. Jahre nachdem die EU-Strafmaßnahmen gegen Syriens Machthaber ihren Anfang nahmen, treffen mehr und mehr Experten ein vernichtendes Urteil über die Folgen der Sanktionen für die Zivilbevölkerung des Landes.

Die Saudis führen im Jemen einen blutigen Krieg, über 10.000 Zivilisten sind getötet worden, Hunderttausende sind vom Hungertod bedroht, und die deutsche Bundeskanzlerin bietet an, saudische Soldaten bei der Bundeswehr auszubilden.

 

In mancher Hinsicht ist Afrika der wohl reichste Kontinent der Welt: Ein Drittel der weltweiten Rohstoffvorkommen liegt hier unter der Erdoberfläche. Für die Mehrheit der Bevölkerung bedeutet dieser Reichtum allerdings weit mehr Fluch als Segen. Denn ein kriminelles Netzwerk aus zwielichtigen Händlern, internationalen Großkonzernen und kapitalistischen Freibeutern hat sich den Zugang zu den Ressourcen gesichert und greift die Gewinne systematisch ab. Eine Art Neokolonialismus hat sich entwickelt, der dafür sorgt, dass sich vor Ort kaum etwas zum Besseren entwickeln kann, dass die Eliten korrupt sind und bleiben und die allgemeine Bevölkerung wie seit Jahrhunderten bereits konsequent unterdrückt und in Elend gehalten wird.

Geostrategische Erwägungen und die Kontrolle von Öl und Gas bestimmen seit dem 19. Jahrhundert die Interessen der großen Mächte im Nahen Osten. Mit dem »arabischen Frühling« schienen sich die Hoffnungen der Menschen auf ein Leben in Würde zu erfüllen. Doch der Sturz säkularer Diktatoren mündete in Staatszerfall, Not und Elend der Bevölkerung.

Der „Islamische Staat“ ist nur einer von gut einem Dutzend von Gewaltakteuren, die in Syrien, Libyen und der Region ihr Unwesen treiben und sich dabei auf eine sektiererische Auslegung des Islam berufen. Der IS hat seinen Ursprung in der Konfessionalisierung der Politik, die die USA nach dem Krieg von 2003 im Irak betrieben haben, wo nicht nur die Armee, sondern der gesamte öffentliche Dienst einschließlich Erziehungs- und Gesundheitswesen von „Sunniten“ gesäubert und durch „Schiiten“ ersetzt wurden.

 

Wir brauchen dringend ein gesellschaftlich-politisches Lager, das sich für die Umverteilung des Reichtums von den Profiten zu den Löhnen, von den hohen Vermögen hin zum Ausbau eines leistungsfähigen Sozialstaates einsetzt. In diesen Zusammenhang gehört auch die Flüchtlingsfrage.

 

Die bedingungslose Aufnahme von Schutzsuchenden und die gleichen Rechte und sozialen Ansprüche für alle, die hier leben und zu uns kommen, kann nur auf der Grundlage eines erneuerten Sozialstaates stattfinden.